Während unserer täglichen Arbeit, aber auch auf privaten Wegen kommen wir mit sehr vielen Plakatkreationen in Kontakt. Einige sind auffällig, lustig, ansprechend, süß oder gar sexy. Andere wiederum sind text- und farbüberladen, haben gar keine Kontraste, keine Absendererkennung oder es fehlt ihnen an jeglicher Botschaft. Wir sehen Werbung mit prominenten Gesichtern, mit Tieren oder mit Fahrzeugen. Angebote werden angepriesen oder uns wird die neueste Teesorte vor Augen geführt. Wofür eignet sich eigentlich Außenwerbung? Und was muss man bei deren Einsatz beachten?

2017 möchten wir, in Form eines Blogs, auf bestimmte Themen in der Außenwerbung eingehen. Um nichts zu verpassen, folgt uns auch bei Twitter: https://twitter.com/itworksgroup

Anfangen wollen wir heute mit den Regeln, Herausforderungen und Empfehlungen für die Plakatgestaltung. Dazu haben wir euch positive und negative Kreationsbeispiele zusammengestellt*. Die Bewertung beruht dabei ausschließlich auf der Gestaltung und ist keine Wertung der Marke oder des Produktes.

*Vgl. Studie „Momentum Plakat – Wie Plakat-Motive gemacht sein müssen, damit sie optimal wirken“ (2014, IKAO) & Studie „VISATT – Merkmale effizienter Plakatmotive“ (2012, IPM)

Bei Fragen zu dem Thema Plakatgestaltung kommt gern auf uns zu. Bei Bedarf testen wir auch das Plakat auf Tauglichkeit und geben Verbesserungstipps.

Viel Spaß nun beim Lesen 🙂 Und freut euch schon mit uns auf das nächste Blogthema im Februar: Können Kaufentscheidungen durch Außenwerbung beeinflusst werden?

 

Liebe Grüße,
Johanna und Sibylle

KISS – Keep it short and simple

 

TOP: Bei Plakaten liegt die ø-Betrachtungszeit zwischen 1,5 und 2 Sekunden. Wir haben also nicht viel Zeit um die Botschaft zu transportieren. Maximal 5 Wirkelemente sind ausreichend. Und dabei sollte auch nur ein Element herausstechen.

 

FLOP: Zu viele Bild- und Textelemente – der Betrachter verliert den Überblick und wird geradezu mit Informationen überhäuft. Was hier genau beworben wird, lässt sich auch nach genauerem Betrachten nicht herausfinden. Es ist ein Zuviel an Informationen.

Motivaufbau & Blickverlauf

 

TOP: Hier wird sich die Aufmerksamkeit durch visuelle Präsenz und Klarheit verdient. Der Blickverlauf geht zuerst auf den Eye-Catcher (Sushi) und wandert dann zum Firmenlogo, kurze Blicksprünge und wenig Richtungsänderungen sind gegeben. Die Elementehierachie ist klar ausgeprägt.

 

FLOP: Der Bildeinstieg erfolgt beim Testimonial. Wir folgen ihrem Blick und entfernen uns somit aus dem Motiv ohne das Logo betrachtet zu haben. Die Marke wird somit völlig außer Acht gelassen oder erst viel zu spät erkannt.

Logogröße & Positionierung

 

TOP: Der Absender ist hier eindeutig erkennbar – Das Firmenlogo wird durch die Platzierung und Farbgestaltung hervorgehoben. Die doppelte Logoplatzierung ermöglicht eine gute Absendererkennung.

 

FLOP: Die unübliche Platzierung des Firmenlogos wirkt auf den Betrachter eher verwirrend. Neben den weiteren Bildelementen sowie dem groß abgebildeten Claim unter dem Logo fällt der Markennamen kaum auf.

Product is hero

 

TOP: Die Produktabbildung hat mindestens 40% der Formathöhe – das Produkt ist prominent und gut sichtbar in der Bildmitte positioniert.

 

FLOP: Das Produkt rückt aufgrund des geringen prozentualen Anteils und der Platzierung links unten auf dem Plakat eher in den Hintergrund.

Farben & Kontraste

 

TOP: Starke Farben und reizvolle Kontraste setzen hier Akzente und erhöhen die Wahrnehmbarkeit. Die Farben sind dabei im Einklang mit dem Key Visual.

 

FLOP: Schwache Farbkontraste. Die Headline hebt sich nicht ausreichend vom Hintergrund ab. Die Wahl von Versalien erhöht den Leseaufwand zusätzlich.

Wortanzahl

 

TOP: Fünf Worte genügen (Summe aller werblichen Worte plus Claim); Toleranz: Maximal zwei zusätzliche Worte. Dieses Motiv kommt mit wenigen Worten aus und überzeugt durch eine kreative Umsetzung.

 

FLOP: Zu viele Informationen überfordern den Betrachter. Zusätzlich wurde eine sehr kleine Schriftgröße verwendet.

Schriftgröße

 

TOP: Diese kreative Headline fällt ins Auge (als optimal auf Distanz wahrnehmbar, gilt eine Schriftgröße von 7-10 % der Formathöhe).

 

FLOP: Hier sehen wir das berühmte Kleingedruckte – und auch noch viel zu viel davon… Bis auf die Headline leider nicht so gut gelungen. Die zu hohe Textmenge wirkt sich auf die Textqualität aus.

Emotionen

 

TOP: Emotionale Aufladung sorgt für Aufmerksamkeit und weckt positive Gefühle. In diesem Falle sieht der Betrachter ein Liebespaar im Bett – geschmackvoll in Szene gesetzt 🙂

 

FLOP: Weniger ist mehr. Bei diesem Plakatmotiv wirken sowohl die Farbgestaltung als auch das übertrieben posende Testimonial und die wilden Bildelemente zu aufgeregt und hektisch.

Gesichter

 

TOP: Dieses Motiv zieht die Blicke auf sich. Das Produkt und der Produktname profitieren von der aufmerksamkeitsanziehenden Wirkung der Frau.

 

FLOP: Ja – auch das hier sind Gesichter. Nur wirken diese durch die teilweise sehr übertriebenen Posen eher unglaubwürdig. Vorallem die nette Dame auf dem Bobbycar…

Störer

 

TOP: Störer sollen auf etwas Besonderes hinweisen. Deswegen sollten sie ein Blickfänger sein. Dieser Störer setzt sich durch Größe, Farbe und Platzierung gut vom Hintergrund ab und fällt auf.

 

FLOP: Auf diesem Motiv wirkt der Störer durch seine Größe und Farbähnlichkeit mit dem Hintergrund eher unauffällig. Der Platz scheint nicht optimal gewählt und der Störer wird eher zu einem Passivelement.

Jeden Tag werden wir Tausenden Werbeimpulsen ausgesetzt. Werbeauftritte mit zu vielen Informationen überfordern dabei häufig den Betrachter. Plakate müssen also besonders einprägsam sein um aufzufallen und im Gedächtnis zu bleiben.

Eine Besonderheit der OoH-Medien dabei ist, dass sie in erster Linie „Vorbeifahr-Medien“ sind. Demnach sollen die Werbebotschaften bereits aus größere Distanz lesbar sein. Kleinteiligkeit ist dabei der Feind einer nachhaltigen Wirkung. Somit darf Plakat nicht einfach nur eine größere Printanzeige darstellen. Vielmehr ist das Plakat die Königsdisziplin der Werbung – Disziplin bei Inhalt, Farbe, Anordnung und Text. Nach dem Motto „keep it short and simple“ muss ein Plakat logisch aufgebaut sein. Wenige Worte (max. 7) sollen die Aussage rüberbringen. Die Botschaft, der Absender und das zu bewerbende Produkt müssen auch auf eine weitere Entfernung erkennbar sein und das Motiv muss sich im Straßenumfeld abheben.