Skyvertising, Real-Time Sentiment Syncing oder Cool Shelf Media – die Außenwerbung erlebt dank neuer Technologien einen massiven Wandel. Bernd Rabsahl, CEO der It Works Group, hat die spannendsten internationalen Entwicklungen im Blick und ordnet ein, welche davon tatsächlich Zukunft haben.
Augmented DOOH: Digitale Ebenen im Stadtraum
Die Vision: Außenwerbung, die nicht an der Plakatfläche endet, sondern durch Augmented Reality und interaktive Technologien erweitert wird. Fassaden, AR-Apps oder Hologramme machen Marken erlebbar und legen eine digitale Schicht über die reale Umgebung. Erste Tests laufen bereits in Metropolen wie Seoul oder London sowie auf Technologiemessen. Doch die breite Nutzung scheitert noch an fehlender Infrastruktur – von 5G-Netzen bis hin zu Genehmigungsverfahren.
Einschätzung: Für die Masse ist AR-Werbung aktuell noch Zukunftsmusik. Marken, die jetzt einsteigen, können sich jedoch einen Vorsprung als First Mover sichern.
Skyvertising 2.0: Marken im Nachthimmel
Wo früher Feuerwerke leuchteten, übernehmen heute Drohnen die Show. Hunderte Fluggeräte formen Logos oder animierte Symbole und verwandeln den Himmel in ein Live-Spektakel. Solche Inszenierungen erzielen nicht nur vor Ort Wirkung, sondern verbreiten sich viral über Social Media. Immer mehr Unternehmen setzen bei Großevents auf diese aufmerksamkeitsstarke Form der Inszenierung. Noch sind Aufwand und Kosten hoch, doch spezialisierte Agenturen bieten Drohnenshows inzwischen als buchbares Werbeformat an – inklusive Planung und Markenintegration.
Cool Shelf Media: Screens am POS
Der Point of Sale bleibt ein entscheidender Moment der Kaufentscheidung. Digitale Displays im Einzelhandel gewinnen daher enorm an Bedeutung. Besonders innovativ: durchsichtige Kühlschranktüren, die sich in großflächige Werbeflächen verwandeln und gleichzeitig den Blick auf die Produkte freigeben, sobald ein Kunde davorsteht. Erste Tests laufen bereits, und sollte sich die Technologie durchsetzen, könnten Supermärkte künftig zu Mini-Kinos für Markenbotschaften werden.
Local Creator OOH: Nähe statt Reichweite
Influencer sind längst feste Größen im Marketing. Für OOH-Kampagnen besonders spannend sind jedoch hyperlokale Creator mit einer treuen Community. Sie bringen Authentizität und kulturelle Nähe in Kampagnen, die klassische Werbung oft vermissen lässt. Voraussetzung für erfolgreiche Kooperationen ist ein partnerschaftlicher Ansatz: Statt nur ein Gesicht in eine Kampagnenvorlage zu setzen, geht es um echte Co-Creation. Marken profitieren so von Glaubwürdigkeit und lokalem Impact.
Real-Time Sentiment Syncing: Stimmung als Trigger
Digitale Screens reagieren längst auf Wetter oder Tageszeit. Der nächste Schritt: die Anpassung an virale Trends und Stimmungen in Echtzeit. Ob Konzert-Highlight, Social-Media-Skandal oder Memes – Inhalte können innerhalb kürzester Zeit auf DOOH-Flächen gespielt werden und so den digitalen Puls direkt in den öffentlichen Raum tragen. Aber Vorsicht: Bei aller Geschwindigkeit müssen rechtliche Grenzen und Persönlichkeitsrechte berücksichtigt werden.
Fazit
Für Marketer bedeutet das: Geschwindigkeit und Flexibilität werden immer wichtiger. Nur wer Trends erkennt und mutig ausprobiert, bleibt sichtbar. Gleichzeitig gilt es, Aufwand und Wirkung realistisch abzuwägen – nicht jede spektakuläre Show zahlt automatisch auf die Markenstrategie ein. Klar ist jedoch: Außenwerbung wird immer digitaler, interaktiver und überraschender. Und: Erfolgreiche Kampagnen schaffen es, zwischen Online und Offline hin und her zu pendeln – wie ein Bumerang, der Reichweite mit Relevanz verbindet.